»Aufklärung« oder »Ehrfurcht«

Hier nun das Kapitel »Aufklärung« oder »Ehrfurcht« aus der Informationsbroschüre »Kamerad oder Spielzeug?«; wie es dazu kam, könnt Ihr in diesem Beitrag nachlesen.

Erinnerst du dich noch, wie eines Tages das »Mysterium des Weibes« in deiner Seele aufging? Wie es über dich gekommen ist wie eine Sturmgewalt und ein Urwort aus der Tiefe des Seins: »Es ist nicht gut, daß der Mensch allein sei!«?

Ich weiß, lieber Freund, dieses urgewaltige Erlebnis kennt mancher Stadtmensch nicht mehr. Stadtjugend ist oft in einer Atmosphäre herangewachsen, die war geschwängert mit den Keimen der »Aufklärung«, der geschlechtlichen Verwirrungen und der niedrig-tierischen Reden. Ich bin als heranwachsender Junge einmal in eine großstädtische Arbeiter-Gesellschaft hineingeraten — noch heute steht mir die vollendete Scham- und Ehrfurchtslosigkeit der Menschen lebhaft vor der Seele, die in Gegenwart zweier unreifer Jungen sich über nichts zu unterhalten wußten als über das Brutal-Geschlechtliche. Ich bin heute noch froh, daß mich der Ekel, der Reiz zum Erbrechen aus diesem Dunst herausgetrieben hat.

Muß es so sein? Muß nicht in den Kreisen der städtischen Arbeiterschaft die Ehrfurcht vor dem tiefsten und urgewaltigsten Lebensgeheimnis zu voller Kraft erwachen? Könnten sich nicht an jeder Arbeitsstätte Männer finden, die vom Ekel an der tierischen Zote gepackt sind und ihren Einfluß mit voller Kraft geltend machen, daß eine reine Armonsphäre wenigstens da weht, wo Jugendliche tätig sind? Ist es nötig, daß heute noch ein Fall vorkommt wie der folgende: ein Arbeiter hat jungen Arbeiterinnen schamlose Zumutungen gemacht und ist abgeblitzt; und nun rächt sich dieser Kerl in der Weise, daß er, so oft er an den Mädchen vorübergeht, ein Kreuz schlägt und eine Kniebeugung macht –? Ist das nicht einfach unerhört?

Aber, weißt du, woran es noch manchmal liegt, daß die Menschen ehrfurchtslos sind? An ihrer Unbildung: daran, daß sie den Weg ins Menschliche, in die Höhenluft geistiger Wesen nicht gefunden haben; daß sie in der dumpfen Atmosphäre des Tierischen, des Niederen jämmerlich steckenbleiben. Worüber sollten denn Tiere reden, wenn ihnen die Sprache verliehen wäre? Sie könnten bloß über Tierisches, Niedriges reden. Nur Menschen können über Menschliches reden.

Daß du Ehrfurcht vor den Mädchen hast, daß du in ihrer Gegenwart keine Zote redest, ist selbstverständlich. Daß du aber als geistiger Mensch die Zote bannst aus deiner Umgebung überhaupt, daß du Geistiges, Ernstes, Edles zu erzählen und zu reden hast, wo immer du stehst und bist, ist das auch selbstverständlich? Ist dir nun klar, wie sehr die Erhöhung des sittlichen Niveaus eine ernste, große S t a n d e s a n g e l e g e n h e i t des Arbeiterstandes ist?

Freund, ich bringe diese Dinge zur Sprache, weil ich mir sage, daß es ein Unglück bedeutet, wenn der junge Mensch zu früh der »Aufklärung« verfällt, und wenn ihm die Aufklärung in einer Form gegeben wird, die brutal die Ehrfurcht vor dem Geheimnis zerstört. Dann ist er in Gefahr, ein Vergeuder des Lebens zu werden. Dann wird seine Einbildungskraft entmenscht, dann wird er Spielball der Begierden. Dann stirbt in ihm jenes unendlich Feine, das man die Sehnsucht nennt und die Ehrfurcht vor dem Weibe. Dann kann er nicht mehr das Liebeslied singen, sondern nur noch den Gassenhauer; nicht mehr den schönen Reigen tanzen, sondern nur noch die schamlosen Tänze der Entarteten. Ja, dann kann er überhaupt nicht mehr echt und wahr und von Herzen lieben. Das ist dann eine Katastrophe für ihn, für den künftigen Mann und Vater.

Und zugleich für seine künftige Familie.

Das nächste Kapitel lautet:
Vom Mädchen reißt sich…
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Hinweis: der Hardware-Countdown läuft…

Jetzt mache ich final ernst: die Hardware muss raus. Ich hab’s ja auch immer wieder mal über e*ay probiert, aber (wie nicht anders zu erwarten): Katastrophe. Alle, die mitboten, ignorierten vollständig, dass es sich um eine Auktion für Selbstabholer handelte. Sprich: nach Auktionsende trat der Meistbietende direkt zurück, und der Rest meldete sich nicht mehr.

Ich hab keinen Platz mehr für das Zeug, aber es zum Elektroschrott zu bringen würde körperlich weh tun. Am liebsten wäre es mir, wenn jemand mit großem Kofferraum vorbeikäme und mitnähme; ich will auch bestimmt kein Schwein sein, was die Preise angeht. Versenden? Puh. Prinzipiell machbar. Bei den Indies zum Beispiel kein Thema; aber die O2 sind so empfindlich… Und ich weiss wirklich nicht, wo ich das viele Verpackungsmaterial hernehmen soll. So zum Beispiel für den Altix: Riesenkiste und schwer noch dazu.

HardwareAlso, wenn Euch was interessiert: meldet Euch direkt an hardware@localwurst.de. Irgendeine Lösung werden wir schon finden.

  • Abholung prinzipiell in Rehlingen-Siersburg.
  • Saarbrücken (Campus) ist ebenfalls möglich.
  • In Absprache kann man sehen, ob man ggf. Frankfurt/Main möglich macht.
  • Im Mai gäbe es eventuell die Möglichkeit, einen Termin in Kassel zu vereinbaren.

Aktuell sind nur die SGIs erfaßt (die Indies sind umständehalber nicht mit im Bild, der Altix hat nicht mit draufgepasst; im Nähmaschinenkarton sind die Indy-Cams und ein paar Einzelteile; der Plattenspieler bleibt hier); ich muss erstmal die weitestgehend aus dem Zimmer kriegen, um mich wieder sinnvoll drin bewegen zu können :-) Ein paar Suns stehen auch noch rum, nix Wildes, paar Sparcs. Die schreib ich dann $demnächst dazu. Die NeXT behalt ich ;-) Hardware in grau ist nicht (mehr) verfügbar, und der Titel ist dann durchgestrichen — so behalten wir hoffentlich alle den Überblick.

Na, dann fangen wir mal an…

Klick! Auf zur Hardware-Seite…

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Feuchttücher. Hihi.

Feuchttücher sind so eine Erfindung, bei der sich die Geister scheiden: die einen finden sie toll, haben sie immer in Reichweite und machen die Kinder jederzeit damit sauber. Die anderen verteufeln sie, schimpfen auf Chemikalien und giftige (sic!) Inhaltsstoffe und würden sie niemals auch nur in die Nähe eines Kinderpopos kommen lassen.

Wir sahen das etwas entspannter; schon die Klinik stellte eine Plastikbox mit Feuchttüchern bereit, und da kein Waschbecken in sinnvoll erreichbarer Nähe war, benutzten wir sie gerne. In den ersten Tagen zu Hause benutzten wir sie hin und wieder, bis das Rumpelstilzchen uns einen leuchtend roten Po präsentierte. Also wurden sie verbannt beziehungsweise kamen nur noch in Notfällen zum Einsatz. Doch was tut man damit, wenn man — als etwas liebloses Geschenk zur Geburt — einen Industrie-Karton mit hunderten dieser Tücher bekommen hat?

»Fenster putzen« meinte der Mann, was einen heftigen Lachanfall meinerseits auslöste. Immerhin steht auf der Verpackung etwas von sensitiv, von Vitamin E und rückfettend. Der Mann runzelte die Stirn, weil seine Idee ausgelacht wurde. Und ich schlich mich in die Küche, um es auszuprobieren.

Reumütig musste ich zugeben: es funktioniert. Fenster mit Feuchttuch vorputzen, mit Sidolin und Küchenrolle nachputzen et voilà — man kann zumindest wieder durchschauen. Streifenfrei hab ich ohnehin nie hingekriegt, und ich lege, wenn ich ehrlich bin, auch keinen gesteigerten Wert darauf. Verblüffend jedoch, wie gut sich etwaige Edelstahl-Flächen säubern lassen: die sind wirklich streifenfrei, und das blitzschnell. An dieser Stelle begann ich zu grinsen.

Auch die Armaturen im Auto lassen sich auf diesem Wege ganz prima entstauben; und hat der Tintenrollerstift die Hände blau befleckt, so ist auch das kein Problem — alles wird wieder sauber. Unser Forscherdrang war geweckt: also polierte der Mann beim Einsetzen der ersten Sonnenstrahlen zwei Motorräder auf Hochglanz, und eines davon hatte verdammt viel Chrom, aber: kein Problem! Und die Fettlösekraft ist auch mehr so erschreckend: ein vom Anbraten total verspritzter und fettiger Herd? Kein Problem!

An diesem Punkt beschlossen wir, unsere Studien zu beenden und die Tücher als Universalwaffe in unserem Haushalt willkommen zu heissen. Und wir haben die Sensitiv-Variante, wie schon angemerkt. Ich frage mich, was die Nicht-Sensitiv-Variante bewirkt: kann man sich damit durch Gestein fräsen? Sie als Trennscheibe verwenden? Und: will man so etwas wirklich an den Hintern eines Neugeborenen ranlassen?

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Bye, bye Rootie!

Seit mehreren Jahren habe ich »Das Tagebuch der localwurst« nun auf einem eigenen Rootserver untergebracht, zusammen mit dem NeXT-Binary-Archive: als VM unter Xen, als VM unter KVM, als richtiger Host, unter Debian, Ubuntu, NetBSD, Solaris — viel gespielt, noch mehr gelernt.

Doch es ist natürlich auch ein Kostenfaktor: 50 Euro im Monat sind 50 Euro; der Umstieg auf eine neuere Maschine kostet auch für mich als Bestandskunden 150 Euro (danke, Hetzner!), und damit sich diese Ausgabe lohnt, müssen die Potentiale, die die Maschine bietet, auch wirklich ausgeschöpft werden. Bislang war das leidlich drin; seit das Kind da ist, beim besten Willen nicht mehr. Ich wurde (zwangsweise) nachlässig, was die Überwachung und Wartung der Maschine angeht; Folge war, dass sie Teil eines Botnets wurde bzw. in meine WordPress-Installation PHP-Trojaner eingeschleust wurden. Letzteres gab dann für mich den Ausschlag: ich habe den Server gekündigt.

Meinen IMAP-Store habe ich auf einen lokalen cyrus gezogen, den ich auf meinem iMac aufgesetzt habe; die Domains bleiben unter meiner Verwaltung, die Webseiten habe ich zum Hoster umgezogen. Klar, es ist nervig: ich bin uneingeschränkten Shell-Zugang gewohnt und muss hier nun per FTP rumhampeln. Ich bin mysqldump gewohnt und muss mich hier mit einem phpMySQLAdmin rumärgern ;-) Aber es funktioniert. Die Website ist recht fix. WordPress hab ich in beiden Hosts komplett neu installiert — dabei einige Plugins gekippt, und für das Tagebuch bin ich noch auf der Suche nach einem ansprechende(re)n Theme.

Wenn ich »spielen« will, etwas Neues ausprobieren und testen: hey, das ist mein Job, dann nehme ich mir eine Testmaschine auf der Arbeit. Und ansonsten muss ich mich nicht mehr mit technischen Spitzfindigkeiten rumärgern: die wenige Zeit, die mir bleibt, kann ich tatsächlich dem Schreiben von Blogartikeln widmen und nicht mehr den Updatezyklen des zugrundeliegenden Systems. Und: ich muss mir keine Gedanken mehr darüber machen, dass die Präsenz in irgendeiner Form gehackt wird und ich eine Menge Ärger bekomme…

Es fühlt sich gut an.
Ich find das prima.

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Output mal anders

Seit über 10 Jahren folgen meine Skripte einem ähnlichen Schema: sie tun Dinge und melden Ergebnisse, ersteres auf verschiedene Weise, letzteres entweder per syslog oder per Mail. Es funktioniert halt ;-) Allerdings nervt der Overhead, den die Mails erzeugen, doch des öfteren.

Das Müllmanagement im Jahre 2012 ist relativ kompliziert: zu verschiedenen Zeiten müssen Mülltonne, Biotonne, gelber Sack und blaue Tonne rausgestellt werden. Vergesse ich das, habe ich ein Problem — überlaufende Mülltonne, sich stapelnde gelbe Säcke und so weiter. Eine (langweilige) Art ist es, sich Termine mit entsprechenden Remindern in den Kalender zu setzen; ich jedoch habe mir vor Urzeiten ein Shell-Skript gebaut, das auf dem Server ausgeführt wurde und mir Mails schickte. Dieses Skript, so dachte ich, könnte man ja auch nach AppleScript portieren und sich — auf dem heimischen Rechner — Dialogboxen bauen lassen.

Wie sich jedoch schnell zeigte bedarf es vieler Zeilen Code, um in AppleScript die aktuelle Kalenderwoche zu ermitteln; und dass ein per Cron aufgerufenes AppleScript Dialogboxen macht ist auch mehr so PITA. Doch dann fiel mir ein Stück Software ein, das schon seit Jahren auf meinem iMac dümpelt, das sich jedoch prima für eigene Zwecke missbrauchen lässt: Growl. Also mal fix growlnotify runtergeladen und ausprobiert: hah!

#!/bin/bash

# Dieses Script jeden Montag und Donnerstag ausfuehren
# Dabei pruefen: ist Woche gerade oder ungerade?
# Wenn gerade: Di Muelltonne, Fr gelbe Saecke
# Wenn ungerade: Di Biotonne

PROG=`basename $0`
MAILTO="empfaenger1@localwurst.de empfaenger2@localwurst.de"
FROM="system@localwurst.de"
WEEK=`date +%W`
WERT=`expr $WEEK % 2`
TODAY=`date +%u`
## Wochentag 1-7, wobei 1=Montag

######

if [ "$WERT" -eq 0 ] ; then
  TITLE="Gerade Kalenderwoche (KW $WEEK)"

  if [ "$TODAY" -eq 1 ] ; then
    ## Montags: Reminder fuer Muelltonne
    SUBJECT="MORGEN Abfuhr Mülltonne - JETZT rausstellen!"
  elif [ "$TODAY" -eq 4 ] ; then
    ## Donnerstags: Reminder fuer gelbe Saecke
    SUBJECT="MORGEN Abfuhr gelber Säcke - JETZT rausstellen!"
  else
    ## Beliebiger anderer Wochentag
    SUBJECT="In dieser Woche sind Mülltonne und gelbe Säcke fällig - aber nicht heute!"
  fi
else

  TITLE="Ungerade Kalenderwoche (KW $WEEK)"

  if [ "$TODAY" -eq 1 ] ; then
    ## Dann ist Montag: Reminder für Biotonne schicken
    SUBJECT="MORGEN Abfuhr der Biotonne - JETZT rausstellen!"
  else
    ## Beliebiger anderer Wochentag
    SUBJECT="In dieser Woche ist die Biotonne fällig - aber nicht heute!"
  fi
fi

######

/usr/local/bin/growlnotify \
--name "$PROG" \
--title "$TITLE" \
--message "$SUBJECT" \
--sticky -p 2

##      echo ":)" | mailx -s "$TITLE $SUBJECT" $MAILTO -r $FROM

Das Skript wird in der Crontab von nun an jeden Montag und jeden Donnerstag ausgeführt und zaubert den Output per Growl in meine rechte untere Bildschirmecke; die Message bleibt so lange dort stehen, bis ich sie anklicke — und ich klicke sie erst an, wenn der Kram draussen steht. Was meist relativ umgehend geschieht, da mich die Message in der Ecke nervt ;-) Damit die Nachricht dauerhaft stehen bleibt, ist aber eines unerlässlich: als »Display Style« dürfen weder »Bezel« noch »Music Video« ausgewählt werden — bei den beiden verschwinden die Boxen nach der in Displays angegebenen Duration, default fünf Sekunden. Wenn man das nicht weiss, debuggt man sich an dieser Stelle den Wolf.

Lustig in diesem Zusammenhang auch OmniGrowl, mit dem man so ziemlich alles machen kann — iTunes, iCal,…

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Vom Poussieren zum Skandal

Hier nun das Kapitel »Vom Poussieren zum Skandal« aus der Informationsbroschüre »Kamerad oder Spielzeug?«; wie es dazu kam, könnt Ihr in diesem Beitrag nachlesen.

Neulich erhielt ich von einem Bekannten eine eigenartige Postsendung: ein ziemlich umfangreiches Paket; seinen Inhalt bildete ein mehrbändiger Roman in Leihbibliothek-Einband, dessen Verfasser ein ernster moderner Schriftsteller war. Dabei ein Brief des besorgten Vaters, der dieses Buch gefunden hatte bei seinem Sohn. Ein Blick in das Buch hatte dem Vater Zweifel aufsteigen lassen, ob dieses auch wirklich eine geeignete Lektüre für den jungen Mann wäre, und nun fragte er mich um Rat. Das war vernünftig und gewissenhaft von dem Vater.

Natürlich sah ich mich in die unangenehme Notwendigkeit versetzt, das Buch zuerst zu lesen und mir klarzumachen, was denn der Verfasser desselben sagen wollte: denn mit einigen Zeilen oder Seiten kann man noch lange nicht urteilen, ob ein Buch gut ist oder schlecht, selbst dann nicht, wenn die schlechtesten Schlechtigkeiten auf diesen Seiten geschildert werden.

Das Buch aber handelte von jungen Leuten. In einem Hamburger Geschäft ist ein Ladenfräulein, ein nettes, adrettes Mädchen, schick, gewandt, tüchtige Verkäuferin usw. Sie wohnt draußen in der Vorstadt bei ihrer Mutter, und es ist recht mollig und wohlig in dem kleinen Nest.
Eines Tages verbreitet sich in dem Geschäft die Kunde, daß der Geschäftsteilhaber des Prinzipals sich mit der Direktice verlobt hat. Der Kompagnon ist ein älterer, gesetzter Mann, der bis dahin vor lauter Arbeit und Schaffen nicht daran gedacht hat, sich eine Häuslichkeit zu gründen; die Direktrice, eine sehr ruhige Dame, still, bescheiden, häuslich, ohne Ansprüche ans gesellschaftliche Leben — kurz und gut: die beiden passen zueinander und werden ein Ehepaar, das sich fern vom Lärm und Getümmel des Lebens ein stilles, gemütliches Nestchen begründet.
Selbstverständlich bedeutet diese Heirat eine sogenannte Sensation, d.h. sie setzt die Zungen sämtlicher Klatschbasen beiderlei Geschlechts in Bewegung, und auch unter dem Geschäftspersonal bildet der Fall den Gegenstand eifriger Diskussion.

Auf unser Ladenfräulein aber macht die Nachricht noch ganz einen anderen Eindruck. Es setzt sich in den Kopf, was der stillen, bescheidenen Direktice möglich geworden ist, könne auch ihr, der hübschen, schicken, gewandten Verkäuferin, nicht unerreichbar sein. Hat doch der Chef einen erwachsenen Sohn, der sie in letzter Zeit wiederholt mit besonderer Achtung und Aufmerksamkeit behandelt hat! Gewiß, der junge Mann, der einjährig bei der Artillerie dient, hat ein Auge auf sie geworfen!
Und dann geht das kokette Spiel los, der junge Herr fängt Feuer, vom Küssen kommt es zu anderen Intimitäten, und leidenschaftlich schwört er, in ihr das Ideal seines Lebens gefunden zu haben. Er wird sie heiraten, aller Welt und auch seinen Eltern zum Trotz. Die Mutter ist stolz, entzückt, daß der junge Chef, natürlich ohne Wissen, der »Alten«, seine Angebetete im Wagen abholt und nach Hause zurückbringt, und endlich — ist das Unglück und der Skandal da. Der junge Mann teilt der Geliebten noch mit, daß die Eltern ihn zwingen, für mehrere Jahre in England Stellung zu nehmen, wiederholt die Schwüre ewiger Liebe, und dann verstummt die Korrespondenz, sie wird aus den Geschäft entlassen, das Kind, dem sie das Leben gibt, stirbt. Sie wird Chanteuse, d.h. Sängerin in einem Café, kommt herunter, herunter, und die Geschichte ist aus.

Was denkt ihr nun, daß ich dem besorgten Vater für eine Antwort gegeben habe? Ich habe ihm geschrieben, wenn ich einen erwachsenen Sohn oder eine Tochter hätte, so würde ich den Roman mit ihnen gemeinsam lesen, und besprechen würde ich mit ihnen den Inhalt, daß sie erkennen sollten, was er sagen will, die gewaltige, wuchtige Anklage, die er unserem jungen Volk ins Gesicht schleudert und den Eltern von heute dazu.
Das ist so ein Roman, den wir heute schier alle Tage erleben. Viele von unseren Müttern sind noch aufgewachsen in kleinstädtischer oder ländlicher Schlichtheit, in ihrer Jugend war das Leben anders als heute: rauher und härter. Den äußeren Schliff, das Elegante und Schicke, hat die Mutter in der Jugend noch nicht gekannt. Jetzt schaut die gute Mutter auf zu ihrer Tochter, die nach der neuesten Mode sich trägt, die hochdeutsch spricht, die neuesten Kunstausdrücke kennt, städtische Manieren mit städtischer Gesichtsfarbe vereinigt. Diese Tochter kommt der Mutter vor wie ein Ausbund aller Schönheit, Eleganz und Vornehmheit: sie scheint für einen Grafen oder einen Großindustriellen gerade gut genug zu sein; andere haben Glück gehabt, warum die ihrige nicht!

Und das oberflächliche, kokette Kind, das willensschwache! Die ernste Bewunderung der Mutter tut ihrem Herzen so wohl! Und nun erst ein feiner Kavalier! Einer, um den sie andere beneiden! Ein Vornehmer, wie ihn nicht jede haben kann! Ach ja, die Mägdlein sind ja so vielfach zu oberflächlichem Denken erzogen, dazu, jede Bewunderung für ernst und jede Liebesbeteuerung für ewig zu nehmen; denken nicht, daß ein junger Mensch von 19, 20 Jahren den in der Leidenschaft abgelegten glühenden Schwur der Treue später gar nicht halten kann, weil seine Lebensverhältnisse andere sind, weil Familie, Gesellschaft und Beruf es ihm einfach unmöglich machen.
Und der junge Mensch, der nicht erzogen ist zu einer edlen Selbstüberwindung und Ritterlichkeit, sondern dazu, seine Leidenschaften zu befriedigen! Der für Liebe hält, was Sinnlichkeit ist, und vergißt, daß wahre Liebe sich kundtut in Selbstüberwindung und Opfer! Nicht wahr, solche Liebe, welche nichts ist als der überschäumende, gewaltsam Befriedigung fordernde Trieb, unterscheidet sich nicht von der Liebe, welche die Katze dem Kanarienvogel entgegenbringt, hier wilde Mordlust, dort wilde, ungezügelte Geschlechtslust, die nicht das andere sucht und in Ehren hält, sondern bloß auf Befriedigung drängt wie die Mordlust des unfreien Tieres.

Und kommen dann hinterher die Schwierigkeiten und Bedenklichkeiten, kommt dem jungen Menschen zu Bewußtsein, daß es eine gesellschaftliche Unmöglichkeit ist, dieses Wesen dauernd an sich zu ketten, nun, so zieht man sich zurück ins Ausland oder in die fremde Stadt und überläßt das ins Unglück gestürzte Wesen seinem Schicksal, sucht wohl gar nach einem Kumpan, der einen herausschwört, wenn man für Alimente verantwortlich gemacht wird.
Hegt darum nicht Wünsche und Hoffnungen, die eines Tages so furchtbar, so grausam können zerstört werden wie die Hoffnung des jungen Mädchens, von dem ich da oben erzählt habe. Nicht zu hoch hinaus wollen. Es ist verdächtig, wenn siech schon jemand aus höherer Gesellschaftsschicht eurer Tochter naht! Mißtrauen ist dann gesund, tiefes Mißtrauen. Sie machen sich heute manchmal nichts mehr daraus, ein Mädchen im Elend sitzen zu lassen.

Eine Schande ist es ja, das gebe ich zu, daß unsere jungen Männer mit Frauenehre und Frauenreinheit heutzutage manchmal umgehen, als hätten sie nie eine Mutter und gute Schwestern gehabt. Aber diese Schande wollen wir nicht bloß setzen aufs Konto der sogenannten »oberen Zehntausend« wenn wir es bessern wollen, so müssen wir alle mitsammen an die Brust schlagen.

Seid ihr euren Kameraden ernste, verständige Führer auf dem schwierigen Wege durch das Jugendland, besprecht mit ihnen die ernsten, großen Lebensfragen und zeigt ihnen den Pfad, der aufwärts führt, wenn nicht zum irdischen Glück, so doch zu der stillen, bescheidenen Größe ernsthafter Pflichterfüllung.

Das nächste Kapitel lautet:
»Aufklärung« oder »Ehrfurcht«?
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Website-Tuning

Nachdem ich herausgefunden hatte, daß mein Server Teil eines Botnets geworden war, kümmerte ich mich sehr eingehend um das System: ich räumte auf und sicherte (noch weiter) ab, ich optimierte meine fail2ban-Konfiguration, ich mistete WordPress-Plugins aus und räumte mein $HOME auf. Parallel dazu beschäftigte ich mich mit der Frage, wie ich die Ladezeiten der Seite optimieren kann.

Dazu spielte ich ein wenig mit loads.in herum: durch das Simulieren von Zugriffen auf meine Seite von extern, aus verschiedenen Ländern, mit verschiedenen Browsern, kam ich zu dem Schluß, daß die Ladezeiten deutlich zu hoch waren; parallel hierzu stellte ich fest, daß die Cache-Hits, die varnish erzielte, deutlich zu gering ausfielen — unschön.

varnish steckt statische Inhalte in den Cache, die nicht Teil einer Session sind; bei WordPress ist jedoch so ziemlich alles Teil einer Session, und somit wurde nichts gecached. Eine rabiate — und recht wirkungsvolle — Methode ist es, alle involvierten Cookies einfach über Bord zu werfen:

sub vcl_recv {
  unset req.http.cookie;
}

sub vcl_fetch {
  unset beresp.http.set-cookie;
}

So werden zwar nun Inhalte in den Cache gestopft, jedoch funktioniert — wen wundert’s — auch das Login ins Backend nicht mehr ;-) Also muß der Aufruf dahingehend verfeinert werden, daß alle Cookies, die nichts mit wp-login bzw. wp-admin zu tun haben, weggeschmissen werden:

sub vcl_recv {
  if (!(req.url ~ "wp-(login|admin)")) {
    unset req.http.cookie;
  }
}

sub vcl_fetch {
  if (!(req.url ~ "wp-(login|admin)")) {
    unset beresp.http.set-cookie;
  }
}

Das funktionierte dann schonmal sehr viel besser — Items im Cache, Login funktioniert. Zumindest auf meiner Webseite — denn das Joomla, das unter anderer Domain auf dem selben Server gehostet wurde, ließ seinen Administrator nun auch nicht mehr ins Backend; also verfeinerte ich im nächsten Schritt den Aufruf, so daß die Regeln nur auf meine Domain Anwendung finden:

sub vcl_recv {
  if (req.http.host ~ "tagebuch.localwurst.de" && !(req.url ~ "wp-(login|admin)")) {
    unset req.http.cookie;
  }
}

sub vcl_fetch {
  if (req.http.host ~ "tagebuch.localwurst.de" && !(req.url ~ "wp-(login|admin)")) {
    unset beresp.http.set-cookie;
  }
}

Dann beobachtete ich die Sache. In der Tat funktionierten nun beide Webseites, und auch das Login in beide Backends tat, was man von ihm erwartet; auch wurden durchaus Cache-Hits verzeichnet, aber… naja, wenige halt. Die Dokumentation zur Software ist ein wenig kryptisch, aber irgendwann kam ich dahinter, daß die Default-TTL — also die Zeit, die ein Objekt im Cache verbringt — 120 Sekunden beträgt. Das mag für einen Auftritt wie heise.de sinnvoll sein, aber bei meinem Blog mit dreieinhalb Klicks pro Tag führte das natürlich dazu, daß die Objekte schon wieder aus dem Cache geflogen waren, ehe sie überhaupt erneut angefordert wurden…

Ich setzte also die TTL auf vier Stunden hoch und beobachte derzeit noch, inwiefern das sinnvoll ist:

sub vcl_fetch {
  if (req.http.host ~ "tagebuch.localwurst.de" && !(req.url ~ "wp-(login|admin)")) {
    unset beresp.http.set-cookie;
  }
  set beresp.ttl = 4h;
}

Mit dem folgenden Kommando kann man sehr gut überwachen, welche Objekte wirklich als Anfrage an den Webserver durchgereicht werden:

# varnishtop -b -i TxURL

Detaillierte Angaben erhält man mit dem folgenden Kommando:

varnishstat -f n_object,n_objecthead,SMF.s0.balloc,cache_hit,cache_miss,n_lru_nuked,n_lru_moved

Kurz zur Eräuterung:

  • n_object ist die Anzahl der gecachten Objekte einschließlich der Variationen gleicher Objekte
  • n_objecthead ist die Anzahl der gecachten Objekte ohne Variationen gleicher Objekte
  • cache_hit ist — ganz klar — die Anzahl der Cache-Hits
  • cache_miss ist — ebenfalls klar — die Anzahl der Cache-Misses (sprich: diese Objekte müssen über den Webserver angefordert werden)
  • n_lru_nuked ist die Anzahl der aus dem Cache verworfenen Objekte (ist der Wert > 0 sollte die Gesamtgröße des Caches erhöht werden)
  • n_lru_moved ist die Anzahl der in den Cache eingelesenen und bewegten Objekte
  • SMF.s0.balloc ist das, was der Cache aktuell an Speicher belegt

Bleibt anzumerken, daß Zeilen, deren Ausgabewert 0 wäre, nicht angezeigt werden; kommt also zu n_lru_nuked überhaupt keine Aussage, dann ist das sehr gut :-D Mit varnishstat -1 kann man übrigens eine prima Ausgabe erzeugen, die sich auch grepen läßt ;-)

Nun muß ich beobachten, inwiefern vielleicht doch noch Fehler auftauchen; vielleicht erweisen sich die vier Stunden Vorhaltezeit auch als deutlich zu lang, zu kurz, sprich ungeeignet — das muß man sehen. Allzuviel möchte ich auch nicht experimentieren, denn jeder Neustart des Dienstes bedingt das Leeren des Caches, sprich: man fängt dann wieder ganz von vorne an.

Was mir auch sehr geholfen hat ist das mysqltuner-Script, mit dessen Hilfe ich die Performance der Datenbank denn doch deutlich erhöhen konnte; man kommt nicht umhin, sich in viele Dinge grundlegend einlesen zu müssen, aber einmal verstanden macht es sehr viel Spaß — und die Seite rennt.

Deshalb die Frage an Euch: kommen meine Bemühungen bei Euch an? Bemerkt Ihr eine signifikante Leistungssteigerung, Reduzierung von Ladezeiten, oder hat sich für Euch nichts geändert und Euch ist das sowieso alles latte?

Ich bin gespannt :-D

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Gesunde Geisteskost

Hier nun das Kapitel »Gesunde Geisteskost« aus der Informationsbroschüre »Kamerad oder Spielzeug?«; wie es dazu kam, könnt Ihr in diesem Beitrag nachlesen.

Unsere Parole soll sein: »In unser Haus und in die Hände unserer Kinder kommt um keinen Preis die sogenannte Schundliteratur herein.« Aber die Jungens haben nicht umsonst die Kunst des Lesens erlernt, und ihre Einbildungskraft verlangt nach Nahrung, nach gesunder, zuträglicher Kost. Sie wollen lesen und sie sollen lesen, weil das Lesen ein sehr wichtiges Erziehungsmittel ist.

Aber was geben wir ihnen denn in die Hände? Ich denke, solche Bücher, welche ihre Einbildungskraft mächtig anregen, ohne sie krankhaft zu überspannen, welche ihre Tatkraft spornen und ihre Blicke auf ein hohes Zukunftsziel hinlenken, aber auf ein solches Zukunftsziel, das auch ihnen nicht ganz unerreichbar ist. In den Büchern für die Jugend müssen Menschen vorkommen, nicht schmachtende, süßliche Menschen, sondern starke, wollende Menschen; Menschen voll Kraft, voll Zähigkeit und Ausdauer; edle Menschen, hilfsbereite Menschen, echt christliche Menschen, die das Gute, das Große wollen. Auch leidenschaftliche Menschen dürfen es sein, wenn nur recht geschildert und dargestellt wird, wie sie aus dem Banne niedriger Leidenschaft sich durch die Tatkraft freigemacht, wie sie ihre großen Leidenschaften veredelt und geadelt haben oder auch, wie in der ungezügelten Leidenschaft der Grund der Zerstörung liegt von eigenem Glück und fremdem Glück.

Darf in solchen Büchern auch schon von Liebe erzählt werden? Aber ganz gewiß. Die erwachende Liebe ist ja eine Förderin edler Tatkraft und tüchtigen Strebens. Bloß in der richtigen Weise muß davon die Rede sein; daß nämlich die Liebe etwas Großes, etwas Heiliges ist, ein Preis, den man sich erringen muß, wie die alten Ritter sich durch Heldentaten den Frauendank errangen. Und auch euren Schwestern dürft ihr kein Buch in die Hände geben, in dem mit Liebe getändelt und backfischartig geschwärmt wird, wohl aber ein Buch, in dem die Treue der Liebe recht geschildert ist; daß sie nicht meinen, es sei Seligkeit und rechte Liebe, wenn so ein junges Ding mit sechzehn Jahren sich einen Freiersmann anschafft und des Sonntags mit dem herumzieht durch die Wirtschaften, sondern recht zur Einsicht kommt, daß die große, heilige Liebe sich still und ernst vorbereitet, dem anderen ein ganzes Leben lang zu genügen und ihm das Leben glücklich zu machen. Darum können mir auch jene Bücher nicht gefallen, in denen eines schönen Tages ein Prinz oder ein Millionär das arme Mädchen geheiratet hat. So etwas kommt nämlich im Leben fast niemals vor, und hinterher könnte sich ein Mädchen in den Kopf setzen, es wollte auf den Prinzen oder den Millionär warten, und wenn ein braver Arbeitsmann kommt, diesen und sein eigen Glück vor den Kopf stoßen.

Das nächste Kapitel lautet:
Vom Poussieren zum Skandal
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Botnet

Mich traf fast der Schlag, als ich von meinem Provider eine eMail erhielt: ich solle Stellung nehmen zu dem Angriff, der von meinem Server aus am Vortag erfolgte.

Direction OUT
Internal a.b.c.d
Threshold PacketsDiff 10.000 packets/s, Diff: 106.526 packets/s
Sum 31.958.000 packets/300s (106.526 packets/s), 5 flows/300s (0 flows/s),
2,322 GByte/300s (63 MBit/s)
External z.y.x.w, 31.958.000 packets/300s (106.526 packets/s), 5 flows/300s (0 flows/s),
2,322 GByte/300s (63 MBit/s)

Uff! Und mein munin-Graph bestätigte es — eine halbe Stunde lang hatte die Maschine mit voller Bandbreite ihr Ziel angegriffen. Doch wie? Wie konnte das sein? Ich begann die Maschine zu durchforsten…

Als erstes überprüfte ich — Ehrensache — die eingeloggten User. Doch außer mir ist niemand in Sicht. Dann prüfe ich mit lastlog, wer sich überhaupt so auf dem System rumtummelt, das erzeugt eine Ausgabe wie diese hier:

...
ftp                                        **Never logged in**
ntpd                                       **Never logged in**
localwurst      pts/0    p4fc33251.dip.t- Fri Mar  1 11:32:58 +0100 2012
...

So erhielt ich die Bestätigung dafür, daß sich außer den erlaubten Usern nie jemand auf dem System eingeloggt hatte, und auch last bestätigte mir das. Ich durchforstete die Logfiles, konnte jedoch nichts Auffälliges feststellen. Ich überlegte, was sich geändert haben könnte, doch mir fiel nichts ein. Ich suchte nach Auffälligkeiten, doch ich fand nichts, und fast hätte ich — unter anderem aufgrund der fortgeschrittenen Uhrzeit und nöligem Rumpelstilzchen — aufgegeben.

Doch nachdem ich das Rumpelstilzchen erfolgreich ins Bett verfrachtet hatte, kam mir die Idee. So schaute ich mir genauer an, was sich so an ssh-Prozessen auf dem Sytsem befand (der Übersichtlichkeit halber hab ich mal die unnötigen Angaben entfernt):

root@ux:/root# ps auxf|grep ssh
root      2267    Mar01   0:00 /usr/sbin/sshd -D
root     24294    11:32   0:00  \_ sshd: spiller [priv]
spiller  24320    11:32   0:00      \_ sshd: spiller@pts/0
root     29753    12:15   0:00                      \_ grep ssh
www-data 24156    Feb19   0:00 sshd:

Ein ssh-Prozeß, von User www-data initiiert? Das kam mir nun doch verdächtig vor. Also schaute ich mir den mit lsof (list open files und dann ein grep auf die Prozess-ID dieses sshd:-Prozesses) genauer an (auch hier entferne ich mal die an dieser Stelle nicht so relevanten Angaben wie TYPE und DEVICE):

root@ux:/var/log# lsof | grep 24156
24156 ?        00:00:00 sshd:
sshd:     24156   www-data  cwd      /var/www/EinOrdner/.m
sshd:     24156   www-data  rtd      /
sshd:     24156   www-data  txt      /var/www/EinOrdner/.m/sshd:
sshd:     24156   www-data  mem      /lib32/libresolv-2.13.so
sshd:     24156   www-data  mem      /lib32/libnss_dns-2.13.so
sshd:     24156   www-data  mem      /lib32/libc-2.13.so
sshd:     24156   www-data  mem      /lib32/libnss_files-2.13.so
sshd:     24156   www-data  mem      /lib/i386-linux-gnu/ld-2.13.so
sshd:     24156   www-data    0u     TCP ux:36458->quakenet.xs4all.nl:ircd (ESTABLISHED)
sshd:     24156   www-data    3u     UDP *:34001

Es war also in /var/www/EinOrdner ein Unterordner namens .m angelegt worden — und in diesem steckte der Scheiß! Der sshd:-Prozeß war in Wirklichkeit ein Stück IRC, das sich mit dem Quakenet verbunden hatte und auf Kommandos wartete. Verdammt! In dem Ordner fand sich unter anderem auch eine Datei namens cron.d, und die machte genau das, was man von ihr erwartete:

* * * * * /var/www/EinOrdner/.m/update >/dev/null 2>&1

Es wurde also ständig überprüft, ob der Prozeß noch lief und, wenn nicht, wurde er klammheimlich neu gestartet.

Einmal erkannt war es natürlich nicht so schwer, die Daten aus dem System zu werfen, den Cron-Job zu löschen — doch die bange Frage blieb doch: wie war der Dreck aufs System gelangt? Und auch das klärte sich mit Sichtung der diversen Logfiles:

PHP Warning: Unterminated comment starting line 3 in
/var/www/phpldapadmin-1.2.0.5/lib/functions.php(1060) : runtime-created
function on line 3

Ein zu alter PHPLdapAdmin diente als Einfallstor — zu bemerken ist, daß der User www-data am System herumfummelte, doch als Nerver logged in. geführt wurde. Er versuchte auch, sich zu root zu machen, was jedoch nicht gelang:

pam_unix(su:auth): authentication failure; logname= uid=33
euid=0 tty=/dev/pts/0 ruser=www-data rhost=  user=root
FAILED su for root by www-data
- /dev/pts/0 www-data:root

Doch in anderen Fällen gelingt auch das — und dann werden ganz dreist neue Systemuser mit eigenen Homes angelegt, und aus diesen Homes heraus die Clients gestartet!

Vorsicht ist also geboten bei Prozessen, die hohe Ports belegen — wenn man nicht weiß, worum es sich dabei handelt, sollte man es eingehend überprüfen.
Interessant ist in diesem Zusammenhang übrigens noch, daß weder chkrootkit noch rkhunter angeschlagen haben — was sie meines Erachtens zumindest im Sinne von suspicious files ruhig hätten tun können ;-) Aber nunja. Wieder was dazugelernt.

Was also kann man tun? Ich für meinen Teil habe damit begonnen, die Möglichkeiten von fail2ban besser auszuschöpfen. Mit cron.allow bzw. cron.deny kann man verhindern, daß obskure User Cronjobs aufsetzen. Natürlich sollte jegliche Software auf dem neuesten Stand sein — WordPress, Webmailer… und natürlich jegliche Art von PHP-Admin-Panels. Und, so das Rumpelstilzchen mir Zeit dazu läßt, wieder öfter mal Logfiles lesen, einfach nur so — dabei entdecke ich immer wieder was Interessantes.

Update: wie ich inzwischen gelesen habe, können auch korrupte WordPress-Plugins diese Dinge heraufbeschwören; neben regelmäßigem Update des WordPress-Kerns sollte man sich also gut überlegen, welche Plugins wirklich benötigt sind — ich hab jetzt erstmal eine ganze Reihe rausgeschmissen. Der Inhalt des .m-Ordners gestaltet sich übrigens wie folgt:

-rwx--x--x  1 user  group     174 Feb 27 02:00 1
-rwxr-xr-x  1 user  group     323 Jan 13  2011 autorun
-rw-r--r--  1 user  group    1198 Feb 27 02:50 cat.seen
-rw-r--r--  1 user  group     137 Feb 26 18:17 cron.d
-rw-r--r--  1 user  group     104 Feb 26 18:17 mech.dir
-rw-r--r--  1 user  group    1064 Feb 27 02:00 mech.levels
-rw-------  1 user  group       6 Feb 26 18:17 mech.pid
-rw-r--r--  1 user  group     320 Feb 27 02:00 mech.session
-rwx--x--x  1 user  group     531 Jan 12  2011 mech.set
-rwxr-xr-x  1 user  group      27 Jan 12  2011 run
-rwx--x--x  1 user  group  152108 Jan 12  2011 sshd:
-rwxr-xr-x  1 user  group      17 Nov  5  2008 start
-rwx--x--x  1 user  group   15195 Sep  2  2004 std
-rwxr--r--  1 user  group     445 Feb 26 18:17 update
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Die ganze Wahrheit übers Stillen

Wer stillen will, sollte sich bereits in der Schwangerschaft mit der Thematik befassen; daher nahm ich die Einladung zu einem »Informationsnachmittag zum Thema Stillen« wahr, und ich besorgte mir das dort empfohlene Buch: »Das Stillbuch« von Hannah Lothrop, sozusagen die Standardliteratur zum Thema. Ich rollte mich hochschwanger auf der Couch ein und begann zu lesen.

Vor 100 Jahren wurden Kinder gestillt, weil es nichts anderes gab; dann war das Stillen verpönt, weil es doch die ach-so-gute Industrienahrung gab — die eine ganze Weile entschieden vorgezogen wurde 1. Oft wurden jene Mütter, die gerne stillen wollten, nicht unterstützt beziehungsweise angeleitet, so daß die Sache schon früh zum Scheitern verurteilt war. Ganz naiv dachte ich, daß die Zeiten sich dahingehend geändert hätten, als daß jeder Frau nun der Weg offenstünde, der ihr am ehesten zusagt, aber schon nach einigen Kapiteln des Stillbuchs war mir klar: Stillen ist eine eigene Religion, und »Das Stillbuch« ist ihre Bibel.

Ich bin aber nicht so der esoterische Typ; es liegt mir nicht, mich »nährend zu berühren«, die Vorteile des »Nacktstillens« wollten sich mir nicht so ganz erschließen, und ich hatte auch keinen Bock, mein »Kniegelenk freizugeben«. Insbesondere macht das Buch klar: eine Alternative zum Stillen gibt es praktisch nicht. Man muß es anfangen, man muß es durchziehen, und wenn man als Mutter Opfer zu bringen hat, dann ist das eben so. Man muß alles dafür tun. Alles. Meine Nachsorgehebamme sah das genauso. Die Muttis in den einschlägigen Foren auch.

»Das Kind bestimmt den Rhythmus« ist das Mantra — das Kind soll also so lange trinken, bis es satt ist und von selbst abdockt, und es soll so oft trinken können, wie es das möchte. Hierbei soll akribisch auf den Wechsel zwischen linker und rechter Seite geachtet werden, auch und gerade dann, wenn das Kind eine bestimmte Seite bevorzugt (was sie fast alle tun); um den Milchfluß anzuregen kann es helfen, vor dem Anlegen eine Massage zu zelebrieren oder warme Umschläge zu machen, nach dem Stillen können kühle Umschläge lindern. und im Falle von Entzündungen soll man sich gekühlte Kohlblätter in den BH stopfen. Schwarzteebeutel gegen wunde Stellen, Rotlicht zur Durchwärmung, Bockshornkleesamen, Stilltee und Malzbier. Und am besten legt man das Kind an, ehe es überhaupt richtig wach ist…

Die Realität indes sah deutlich anders aus: mit dem Anlegen vorm richtigen Erwachen war es schon nichts, weil mein Rumpelstilzchen einen sehr ruckartigen Rhythmus pflegte: schlafen – wach werden – in der selben Sekunde loskreischen. Und das zu Spitzenzeiten etwa alle 60 Minuten. Von » von selbst abdocken« hat es definitiv noch nie etwas gehört, so daß so eine Still-Session sich über 90 Minuten rausziehen konnte. Dann gab’s erstmal eine frische Windel, und dann begann auch schon das nächste 90-Minuten-Intervall. Ich hab es mal in einer Nacht geschafft, innerhalb zweier Still-Sessions »Fluch der Karibik, Teil 1« vollständig zu gucken, mit Abspann. Das führt mich zum nächsten: Stillen in dem Ausmaß ist stinklangweilig. Zumal man sich laut einschlägiger Literatur ja aufs Kind konzentrieren soll, nicht fernsehen, nicht lesen, nicht sonstwas. Starre ich mein Kind jedoch unentwegt an, dankt mir das die Schulter- und Nackenmuskulatur beim besten Willen nicht.

Was einem keiner sagt: es tut weh. Ernsthaft jetzt. Ihr kennt die Werbung, in der die Mutter selig lächelnd in einem sonnendurchfluteten Raum am offenen Fenster sitzt, ihr offenkundig wohlentwickeltes und fröhliches Kind stillt? Vergeßt das. Die Wahrheit liegt irgendwo zwischen »Schlafanzug den ganzen Tag über«, »Wuschelfrisur« und »eine Hand zu wenig zwischen Stillkissen-Wurst und fuchtelndem Rumpelstilzchen«. Dei Brust tut weh. Der Rücken tut weh. Und ist das Kind dann auch noch permanent unzufrieden, so schleicht sich die bange Frage ein: wird es überhaupt satt? Nicht zu unterschätzen: das Maß an körperlicher Nähe ist enorm, und hin und wieder kann es auch zu eng werden, gerade wenn das Kind sich durch nichts beruhigen läßt.

Der »große rote Teufel« des Stillens ist die Saugverwirrung 2: das Saugen an der Brust ist ein völlig anderer Bewegungsablauf als das Saugen an einer Flasche, und insbesondere ist es an der Flasche viel leichter, geht schneller und ist nicht so stressig, sprich: es kann passieren, daß ein Kind, wenn es mal erfolgreich aus Fläschchen getrunken hat, partout nicht mehr an die Brust zurück will. Davor habe ich bis heute eine so abartige Angst, daß ich es nicht zulasse, daß das Kind aus einem Fläschchen trinkt — auch dann nicht, wenn es zu meinem Vorteil wäre, ich beispielsweise mal in Ruhe einkaufen gehen könnte und der Papa hütet zu Hause das Kind. Irgendwie ist das traurig. Andererseits geht die Stillzeit vermutlich schneller rum, als man so glaubt. Naja.

Was mich seit der Geburt begleitet, ist eine latente Angst: Angst um das Kind, klar. Es könnte im Schlaf ersticken, beim Bad ertrinken, vom Sofa auf seinen Hintern oder vom Wickeltisch auf sein Köpfchen fallen — aber diese Angst meine ich gar nicht. Es ist die Angst, selbst krank zu werden: zwei böse Erkältungen habe ich bislang hinter mir, und als stillende Mutter darf man definitiv nichts Sinnvolles einnehmen. Es ist elend, ein wütendes Rumpelstilzchen satt zu kriegen, wenn man selbst nicht auf der Höhe ist, doch in aller Regel genügt »Zähne zusammenbeißen« und dann geht’s irgendwann wieder. Doch was, wenn ich als Mutter richtige Medikamente einnehmen muß und kein Weg daran vorbeiführt? Was, wenn ich sogar stationär in die Klinik muß? Darüber will ich gar nicht nachdenken…

Mythos Gewichtsabnahme: eine vollstillende Mutter (d.h. das Baby erhält keinerlei andersartige Kost) hat einen Mehrbedarf von etwa 650kcal pro Tag; so erklärt es sich, daß viele Mütter überm Stillen eine deutliche Gewichtsabnahme verzeichnen können, ausgewogene Ernährung vorausgesetzt. Bei mir liegt der Kalorienmehrbedarf sicherlich um einiges höher, und ich bin nicht in der Lage, mich ausgewogen zu ernähren: gegen mich ist die kleine Raupe Nimmersatt sicherlich ein Musterbild an Selbstbeherrschung 3. Schon in der Schwangerschaft schlich sich die Duplo-Sucht von hinten an mich heran, doch seitdem ich stille, habe ich sicher schon so manche Ferrero-Aktie erworben. Gewichtsabnahme? Keine Spur. Ich habe schon mehr als einmal nachts um halb drei das schmatzende Kind gestillt und mir dabei Müsliriegel einverleibt, weil die Energie einfach irgendwo herkommen muß.

Und dann der Vorteil schlechthin: Stillen kann man schließlich überall — kostenfrei, wohltemperiert, mengenmäßig ohne Einschränkungen. Die Bibel verheißt hier Freiheit und Glücksgefühl für Mutter und Kind. »Diskretes Stillen in der Öffentlichkeit« ist allerdings unmöglich, wenn das Kind die gesamte Umgebung zusammenbrüllt, nur weil die Mutter die Bluse nicht schnell genug aufbekommt — und genauso kontraproduktiv ist es, wenn das Kind in begeistertes Lachen und Glucksen ausbricht bei der Aussicht auf sein Futter, denn dann gucken die Umstehenden ebenfalls neugierig. Es gehört eine gewisse Portion Selbstbewußtsein dazu, in der Öffentlichkeit »blankzuziehen« — das kann nicht jeder immer und überall, und schon gar nicht dann, wenn es über eine Stunde dauern wird, bis das Kind satt ist.

Ich konnte mit meiner Hebamme nicht reden; irgendwie hab ich mich durchgewurschtelt. Und ja, ich stille nach wir vor. Wirklich gut hat es erst funktioniert, als ich über nichts mehr nachdachte, das Kind auch mal abdockte, wenn es mir zu blöd wurde, und die Wahl der zu benutzenden Seite davon abhängig machte, mit welcher Hand ich selbst etwas essen/ die Kaffeetasse halten/ eine Seite im Buch umblättern/ die Fernbedienung halten will. Ich mache so ziemlich alles, was in Buch und Foren verteufelt wird, aber das Rumpelstilzchen ist morgen fünf Monate alt, und es scheint zufrieden. Ab und zu bricht es beim Stillen in Gelächter aus — was ja aber besser ist als Weinen. Und zum Schluß gebe ich Euch noch ein paar Anregungen, was Ihr in Anwesenheit stillender Mütter besser sein lassen solltet:

Witze über Melkmaschinen und Katzen: ausgerechnet dann, wenn eine Frau ihr Kind zu stillen beginnt, die Konversation mit »Du, ich hab da so eine Doku zum Thema Bauernhof gesehen, die hatten da so eine vollautomatisierte Melk-Straße…« zu eröffnen ist nicht sehr sensibel. Genausowenig Mutmaßungen, weshalb sich die Katze 4 auf dem Schoß der Frau zu wohl fühlt — sicher, die Milch macht’s! Nee Leute, das ist nicht nur unsensibel, das ist geschmacklos.

Der Mutter lustige Spitznamen geben: die hat nach wie vor einen Namen und möchte nicht »Milchbar« oder »Dauernuckel« genannt werden. Sicher, es mag Mütter geben, die finden das ganz klasse. Das ist die Fraktion, die sich von ihren Kindern dann auch nicht »Mama«, sondern »Titti« nennen läßt. Aber das ist nicht die Regel. Auch hier ist Zurückhaltung gefragt — und eine gewisse Sensibilität.

»Gib dem Kind doch mal was Richtiges!« Ihr solltet eine stillende Mutter niemals mit Fragen nerven, wann sie ihrem »armen Kind« denn nun endlich was Richtiges zu geben gedenke, sprich: alles außer Muttermilch 5. Denn es geht niemanden etwas an, es ist ganz allein eine Sache zwischen Mutter und Kind 6.

Zumindest in diesem letzten Punkt muß ich der Bibel unumwunden rechtgeben :-) Und wenn jemand auf der Suche nach einem guten Buch zum Thema ist: Das Handbuch für die stillende Mutter von der La Leche Liga ist ein deutlich anderes Kaliber und hat mir sehr geholfen; darüber hinaus bietet der Verein Stillberatung per eMail sowie per Telefon, und dieser Service ist kostenfrei und sehr empfehlenswert.

  1. Man muß sich mal überlegen, daß es Länder gibt, in denen Werbung á la »Onkel H*pp« schlichtweg verboten ist!
  2. Auf englisch heißt das »nipple confusion«!
  3. Und ich kann auch das Phänomen der »Still-Demenz« bestätigen: ich bin massiv vergeßlich, habe Wortfindungsstörungen und brauchte eine gute Woche, bis mir das Wort »Selbstbeherrschung« einfiel — vorher stand im Entwurf des Artikels der Platzhalter »Zusammenreißung« mit drei Fragezeichen dahinter ;-)
  4. …die immer schon gerne von der Frau hat kraulen lassen…
  5. In der Definition sind sogar Fläschchen mit Industrienahrung richtiger als Muttermilch, und das ist schon eine ziemlich verquere Welt, oder?
  6. Und zum Thema Beikost hab ich schon den nächsten genervten Artikel in der Queue ;-)
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